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Preis der Baukammer

 

für besonders gute Abschlussarbeiten auf dem Gebiet des Bauingenieur- und Vermessungswesens an den Berliner Hochschulen und der Technischen Universität Berlin.

 

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2. Appell der Initiative zur Erhaltung des Garagen-Palasts

Berlin droht mit dem geplanten Umbau des Charlottenburger Kantgaragen-Palasts ein erneut großer Denkmalverlust und damit ein unwiederbringlicher Schaden an einem einmaligen Verkehrsbauwerk der Bauhausschule von Weltrang.

Sehr geehrter Herr Gädeke,

sehr geehrter Herr Senator Lederer,

sehr geehrter Herr Baustadtrat Schruoffeneger,

 

I Bedeutung und Denkmalwert

 

Die Gründe für den Erhalt der Kantgarage als europäisches Kulturerbe sind gewichtig und vielfältig: Das von 1929 bis 1930 errichtete Verkehrsbauwerk der Neuen Sachlichkeit ist ein bis heute nahezu unverändert erhaltener Schlüsselbau der europäischen Mobilitätsgeschichte und der Bautypologie einer Hochgarage. Sie ist eines der wenigen noch erhaltenen Bauwerke dieses Typs aus dieser Zeit in Deutschland und in Europa, wie dies die Kunsthistoriker René Hartmann und Thomas Katzke als

Hochgaragenexperten in ihren umfangreichen Forschungen nachgewiesen haben.

Die Kantgarage ist als Zeugnis der Neuen Sachlichkeit einzigartig und noch vorhanden in ihrer überkommenen materiellen Substanz. Der besondere Erhaltungszustand ergibt sich vor allem aus der ununterbrochenen Nutzungskontinuität als Hochgarage und einer nicht durchgeführten grundsätzlichen Instandhaltung und Erneuerung über Jahrzehnte. Das einzigartige baukonstruktive Erbe betrifft im Besonderen die gläsernen Vorhangfassaden (curtain wall) an den beiden Hauptseiten des Gebäudes; die beinahe unverändert erhalten sind. Erinnert sei an die hohen Substanzverluste des Welterbes Bauhaus, die hier weitgehend ausblieben. Die kühne Stahlbetonskelettkonstruktion, die doppelgängige Wendelrampe sowie die Fahrzeugboxen mit ihren einmaligen Gliederschiebetoren der Tempelhofer Firma Heinrichs machen die Kantgarage zu einem unverwechselbaren Bauwerk.

Die Kantgarage ist das letzte verbliebene Bauwerk des Architekten Hermann Herrey-Zweigenthal in Deutschland und das einzige Bauwerk aus der Bürogemeinschaft mit dem Bauhäusler Richard Paulick. Sie ist zugleich Zeugnis von Unrecht und Vertreibung, da sowohl die Architekten als auch der Eigentümer der Hochgarage, Louis Serlin, vor den Nationalsozialisten ins Exil fliehen mussten.

 

II Das neue Projekt „Garagenpalast“ bewahrt Erinnerung an den Garagenbau aber nicht das Denkmal

 

Was nützen nun die festgestellten Bedeutungszuschreibungen und weltweiten Einzigartigkeiten, wenn weder der Eigentümer noch seine Architektin in ihrem Entwurf „Garagenpalast“ sowohl die besondere Eigenart der Gebäudetypologie noch die Nutzungsart dieser Hochgarage erfassen, und durch die Umnutzung der Garage in ein Büro-Galerie-Foodstore-Penthouse gerade diese materiellen, konstruktiven und durchdachten Besonderheiten ad absurdum führen. Letzteres – ein Penthouse – wäre noch ein denkmalverträgliches Element als Ersatz für das im 2. Weltkrieg zerstörte Wohnhaus des Eigentümers neben der Garage. Die beiden curtain walls sind nach Aussage der Planer so marode, dass sie nur nachgebaut werden können, sie damit jedoch in ihrer derzeitigen Form und Ausführung verloren gehen würden. Die Umbauvorstellungen des Eigentümers und seine Absicht diese zu verwirklichen, hätte die Zerstörung der Authentizität dieses außergewöhnlichen Gebäudes zur Folge. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Um- und Neubau des Bikinihauses am Breitscheidplatz. Obwohl der vorliegende Entwurf die bauliche Erhaltung der doppelgängigen Wendelrampe (Doppelhelix) vorsieht, wird durch die geplante Nutzung im Gesamtkomplex, deren Eigenart einer öffentlich zugänglichen Straße aufgegeben, sie wird Sackgasse und zum Bürgersteig herabgestuft. Da alle Garagenebenen ihre ursprüngliche Nutzung im derzeitigen Konzept verlieren, werden auch die Garagenboxen mit ihren in überwiegend gutem Zustand befindlichen Gliederschiebetoren für die Öffentlichkeit aber auch für die Nutzer bedeutungslos.

 

III Fazit aus Sicht der Initiative für den Erhalt des Kantgaragen-Palast

 

Der derzeitige Entwurf des Eigentümers für die Erneuerung und den Umbau der Kantgarage zeigt wenig Verständnis für die Eigenart des bestehenden Hauses und seiner vorgegebenen Nutzungsart.

Im Gegensatz zum Eigentümer des Gebäudes sieht die Initiative eine günstige Gelegenheit, das Haus wie in seinem Ursprung geplant, weiterhin für eine mobile Nutzung zu sichern und damit auch der Öffentlichkeit die Zugänglichkeit zu erhalten. Jede Umnutzung hat bauaufsichtsrechtlich erforderliche Veränderungen am Gebäude zur Folge und damit einen Verlust von überkommener, materieller Substanz. Jede Umnutzung stellt zunächst die konstruktiven und gestalterischen Elemente des Garagenbauwerks infrage, definiert sie um, lässt sie, wie im Fall der Wendelrampe, sogar in eine funktionale Leere laufen. Jede Umnutzung muss daher von allen Beteiligten auf ihren Wert mit der vorhandenen Bausubstanz überprüft werden. Hierbei ist nach Auffassung der Initiative bei diesem hochkarätigen und einzigartigen Bauwerk der Moderne ein gleichwertiger Maßstab anzulegen.

Die geltenden Denkmalschutzkonventionen sowie das Denkmalschutzgesetz des Landes Berlin gelten ungebrochen. Die Initiative hält aus oben genannten Gründen einen schnelleren Baubeginn, der sich derzeit durch die Entmietung der Tankstelle und der Errichtung von Baugerüsten ankündigt, für fatal. Der Eigentümer sollte seine Planungen zunächst ruhen lassen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um so über eine sichere Grundlage für die weitergehende Planung zu verfügen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf begrüßt und unterstützt diese Vorgehensweise und sollte in der Denkmalrechtlichen Genehmigung die Ziele des Erneuerungsprojekts konkretisieren und eine Machbarkeitsstudie bzw. einen Denkmalpflegeplan zum Bauprogramm verbindlich festlegen. Diese Machbarkeitsstudie/ Denkmalpflegeplan sollte folgenden Aufbau verbindlich festschreiben:

  • Wissenschaftlich fundierte Einschätzung der kulturellen Bedeutung des Baudenkmals
  • Bestandsbeschreibung (Bau-. Veränderungs- und Sanierungsgeschichte; Einschätzung

des Bestands hinsichtlich seiner Originalität)

  • Bauuntersuchung, Befunde und Bewertung (Zustand der Fassaden, des Tragwerks, der

Ausstattung)

  • Bedürfnisse des Eigentümers und seiner potentiellen Nutzer
  • Bewertung der bisher vorgelegten Planungen des Eigentümers
  • Definition des Sollzustandes und mögliche Vorgehensweisen bei der Instandsetzung,

Schutzmaßnahmen für die Denkmalsubstanz und deren erforderliche Zwischenlagerung

(siehe Neue Nationalgalerie)

  • Kosten und Termine
  • Rahmenbedingung, Finanzierung und Förder- und Denkmalmittel

 

Nach mehrjährigem Bemühen, den Abrissabsichten des bisherigen Eigentümers entgegenzuwirken, ist die Initiative dankbar über die vom neuen Eigentümer gezeigte Bereitschaft, Erkenntnisse aus den Untersuchungen in seine Planung einfließen zu lassen. Gleichzeitig muss die Initiative jedoch feststellen, dass die jetzt vorliegenden Pläne gravierende Defizite im Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz der Kantgarage zeigen bzw. diese billigend in Kauf nehmen. Sollten die zu Papier gebrachten Gedanken baurechtlich genehmigt und somit auch verwirklicht werden, ist von einem gravierenden Baukulturellen Verlust auszugehen. Eine Chance wäre vertan, ein wertvolles Bauwerk in seiner ehemaligen Erscheinung wieder zu erwecken. Wir, die Unterzeichner, sind davon überzeugt, dass in gemeinsamer Kraftanstrengung von Eigentümer und Zivilgesellschaft die erneuerte Kantgarage als herausragendes Zeugnis der Berliner Baukultur einen dauerhaften Platz in der Stadt wiedererlangen kann. Der Erhalt und die Erneuerung der Kant-Garage sollten deshalb zur gemeinsamen Aufgabe werden.

 

Frank Augustin; Andreas Barz; ; Jürgen Bauer; Peter Baumgärtner; Reiner Berg; Thomas Bestgen; Cornelia Biermann-Gräbner, Winfried Brenne; Rainer Bohne; Franziska Bollerey; Dr. Nicola Bröcker; Bürgerstadt Aktiengesellschaft Winfried Hammann; Melanie Buschmann; Bürgerverein Hansaviertel e.V., Filippa Carlini; Silvia Carpaneto; CLB Berlin aufbau haus Sally Bellow; Markus Coelen; Bernd Cronjaeger; Julia Dech; Monika Dickewied; Birgit Dietsch; Deutsches Nationalkomitee von TICCIH (The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage); DOCOMOMO Deutschland e.V.; Silvia Fehrmann; Thomas Flierl; Axel Föhl; Förderverein Corbusierhaus e.V.; Karin Gavin-Kramer; Siegwart Geiger; Jakob Geiger, Markus Goldwald; Florian Golze; Martin Götz; Andreas Graeff; Joanna Gröning; Rolf Groth; Ulrich Gümbel; Mila Hacke; Eva-Maria Hässler; René Hartmann; Haus der Kulturen der Welt, Bernd Scherer; Ute Heimrod; Georg Heinrichs; Henriette Heischkel; Wiebke Henning; Matt Henning; Hermann Henselmann Stiftung; Alexander Hoff; Jürgen Hofmann; Gajana Holland; Petra Marion Huhn; Interessengemeinschaft Verbandsgebundener Architekten Berlin IVAB; Christine Jachmann; Annemarie Jaeggi; Ernst Jakoby; Franz Jaschke; Werner Jockeit; Günter Kaesbach; Jutta Kalepky; Simone Kalz; Merlin Winnetou Kampmann; Georg Knacke; Kai Kappel; Helmer Karau; Michael Kasiske; Thomas Katzke; Masen Khattab; Nikola Kneiseler; Marc Kneiseler; Götz Kneiseler; Jens-Uwe Köhler; Jürgen König; Dieter Kosslick; Thomas Krebs; Dr. Celina Kress; Andreas Krüger; Sabine Kruschwitz; Ingeborg Kuhler; Michael Kuhn METAPOL Planungsbüro; Heidrun Kunert; Guido Lambeck; Ute Langeheinecke; Werner Lorenz; Stefan Lukschy; Dr. Uwe Neumann; Ulrich Nickmann; Markus Nitschke D:4 Architektur; Angelika Noss; Karl Pächter; Helga Pahl; Paolo Pozzolini; Günter Plessow; Roland Prejawa; Monika Puginier; Jean-Loup Puginier; Caroline Raspé; Andreas Reidemeister; Bernd Reimers; Michael Roeder; Walter Rolfes ; Matthias Rudolph; Schaustelle Nachkriegsmoderne; Markus Scheffler; Gabriele Schlenk; Claudia Sieper; Gerhard Schleuzig; Bernhard Schmidt; Margot Schmidt-Nehmet; Thomas Schmidt; Helga Schmidt-Thomsen; Karl-Heinz Schneider; Marc Schulte; Sigrid Schultz; Barbara Schultz; Hermann Schultz; Reinhard Schumacher; Brigitte Schütz; Guido Schwarzendahl Bauverein Halle und Leuna eG; Bernd Seegers; Frank Seehausen; Daniel Semler, Reinhard Semmler; Carola Seppeler; SRL Regionalgruppe Berlin-Brandenburg; Leonard Steidle; Thomas Steigenberger; Wolfgang Steinel; Studentendorf Schlachtensee eG; Winfried Sühlo; Annegret Sühlo; Norbert Tempel; Gabriele Thuns; Urban Cargo FMRP UG; Gisela Voss-Geiger; Charis Wegener; Johannes Wendland; Klaus Wiechers; Wiesenstraße29 eG; Michael Zajonz; Anke Zalivako; Die Zusammenarbeiter, Christian Schöningh

 

Kontaktbüro der Initiative zur Erhaltung der Kantgarage

Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft Berlin (IBZ)

Andreas Barz

Wiesbadener Straße 18

14197 Berlin

andreas.barz@studentendorf.berlin

Kein Ding ohne ING. - eine Initiative für den Ingenieurberuf.