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Ingenieurbüros unter Druck: Längere Projektlaufzeiten und hoher Bürokratieaufwand
Wie entwickeln sich die Arbeitsbedingungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland? Eine gemeinsame Mitgliederbefragung von Bundesingenieurkammer (BIngK), Verband Beratender Ingenieure (VBI) Bundesarchitektenkammer (BAK) und dem Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung (AHO) liefert dazu aktuelle Erkenntnisse. Im Mai und Juni 2026 befragten IW Consult und Reiß & Hommerich rund 4.900 Architektur- und Ingenieurbüros zu ihrer wirtschaftlichen Situation im Geschäftsjahr 2025. Die Ergebnisse beleuchten, wo Büros im Arbeitsalltag vor Herausforderungen stehen und welche Rahmenbedingungen ihre Arbeit prägen.
Die Befragung zeigt, dass sich die Projektlaufzeiten verlängern: Besonders bei Vergabe und Ausführung berichten 61 Prozent der Büros von längeren Zeiträumen als vor zehn Jahren. Rund ein Viertel der Arbeitszeit entfällt auf nicht-projektbezogene Tätigkeiten, darunter Verwaltung und bürokratische Anforderungen. Die HOAI bleibt eine wichtige Grundlage der Honorarabrechnung: Im Durchschnitt werden 51 Prozent der Gesamtleistung nach ihren Regelungen abgerechnet, bei Ingenieurbüros liegt der Anteil bei 45 Prozent.
„Ingenieurinnen und Ingenieure müssen ihre Zeit in Planung und technische Lösungen investieren können, statt sie in langwierigen Verfahren zu verlieren. Dazu gehören auch verlässliche Rahmenbedingungen und eine angemessene Honorierung qualifizierter Ingenieurleistungen. Längere Projektlaufzeiten und überbordende Bürokratie dürfen nicht zum Normalzustand werden. Erforderlich sind verbindliche Fristen, effizientere Planungs- und Vergabeprozesse sowie ein konsequenter Abbau unnötiger Verwaltungsaufgaben.“ – Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer

Zentrale Ergebnisse
Verlängerung von Projektlaufzeiten
Für den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre berichten die Büros konsistent über alle Leistungsphasen hinweg von einer Verlängerung der Projektlaufzeiten bei ansonsten vergleichbaren Projekten. Am stärksten ausgeprägt ist dieser Befund bei Vergaben inklusive Ausführung (Leistungsphasen 6 bis 8): 61 Prozent der Büros melden eine Verlängerung, nur 8 Prozent eine Verkürzung. Bei der Grundlagenermittlung inklusive Ausführungsplanung (Leistungsphasen 1 bis 3 und 5) liegt das Verhältnis bei 48 zu 18 Prozent. Ingenieurbüros berichten dabei durchgängig etwas häufiger von Verlängerungen als Architekturbüros. Die Befunde legen nahe, dass sich die Dauer von Planungs- und Vergabeprozessen über die vergangene Dekade verändert hat, mit entsprechenden Implikationen für die Kalkulationssicherheit der Büros.
Projektarbeitszeit differenziert sich nach Bürotyp
Projektmitarbeitende wenden im Durchschnitt 73 Prozent ihrer Arbeitszeit für unmittelbare Projektarbeit auf. Architekturbüros weisen mit 79 Prozent einen signifikant höheren Anteil auf als Ingenieurbüros mit 70 Prozent. Die Variation nach Bürogröße fällt demgegenüber moderat aus. Dementsprechend entfallen im Durchschnitt rund jede vierte Arbeitsstunde auf nicht-projektbezogene Leistungen, wie Verwaltungstätigkeiten und bürokratische Anforderungen.
Mehrheit der Leistungen wird nach HOAI abgerechnet
Im Durchschnitt werden 51 Prozent der Gesamtleistung nach den Regelungen der HOAI abgerechnet. Architekturbüros rechnen mit 59 Prozent deutlich häufiger nach HOAI ab als Ingenieurbüros mit 45 Prozent. Außerhalb der HOAI dominieren die Abrechnung nach geleisteten Stunden (40 Prozent) und das Fixhonorar (33 Prozent). Größere Büros rechnen dabei überwiegend nach HOAI ab, während kleinere Büros häufiger auf Stundenbasis abrechnen – ein Hinweis darauf, dass mit zunehmender Bürogröße formalisierte Vertrags- und Honorarstrukturen an Bedeutung gewinnen.
Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt
Die vorliegenden Ergebnisse ergänzen die bereits im Sommer veröffentlichten Ergebnisse zur wirtschaftlichen Lage der Branche. Diese hatte gezeigt, dass sich die Auftragslage zunehmend volatil entwickelt: Im zweiten Halbjahr 2025 verzeichneten 37 Prozent der Ingenieurbüros einen Rückgang ihrer Aufträge, während 30 Prozent einen Anstieg meldeten. Sowohl positive als auch negative Ausschläge haben damit gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Der durchschnittliche Auftragsbestand lag mit 11,3 Monaten zwar noch leicht über dem Vorjahreswert, dennoch rechneten 26 Prozent der Ingenieurbüros für 2026 mit einem weiteren Rückgang. Als zentrale Hemmnisse nannten die Büros regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und den wirtschaftlichen Abschwung.
Über die Befragung
Zur Hochrechnung auf die Grundgesamtheit wurden die Antworten nach dem tatsächlichen Verhältnis von Architektur- zu Ingenieurbüros sowie nach der Verteilung über die Bundesländer gewichtet. Metrische Angaben werden als Mittelwert oder Median ausgewertet, Einfach- und Mehrfachauswahlfragen als durchschnittliche Zustimmungsquote. Die Befragung 2026 unterscheidet sich methodisch von der Vorjahreserhebung an zwei Stellen: Bestandsveränderungen wurden erstmals separat erfasst, und der Projektanteil wird nun getrennt für Büroinhaber und Projektmitarbeitende erhoben. Ein direkter Zeitvergleich ist daher für diese und daraus abgeleitete Merkmale wie die Gesamtleistung nicht möglich. Ergebnisse zu Auftragslage, Auftraggeberstruktur und wirtschaftlichen Hemmnissen wurden bereits im Rahmen der Konjunkturbefragung veröffentlicht und sind hier nicht erneut dargestellt.




