Veröffentlichungen

Deutscher Ingenieurbaupreis 2026 für Chemnitzer Viadukt verliehen

PRESSEMITTEILUNG

Staatssekretär Dr. Olaf Joachim zeichnet Siegerprojekt in der Akademie der Künste in Berlin aus – Nachwuchspreis geht an str.ucture für das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen

Berlin, 15. Oktober 2026. Das Chemnitzer Viadukt ist mit dem Deutschen Ingenieurbaupreis 2026, dem Staatspreis der Bundesrepublik Deutschland für herausragende Ingenieurbaukunst, ausgezeichnet worden.
Dr. Olaf Joachim, Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), überreichte den Preis am 14. Oktober 2026 im Rahmen der feierlichen Preisverleihung in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin. Der Staatspreis geht an das Ingenieurbüro KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH und die DB InfraGO AG als Bauherrin. Der mit 10.000 Euro dotierte Nachwuchspreis wurde an das Ingenieurbüro str.ucture GmbH für das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen verliehen. Die fünf weiteren nominierten Projekte erhielten ebenfalls eine Auszeichnung.

Mit dem Deutschen Ingenieurbaupreis würdigen das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und die Bundesingenieurkammer herausragende Leistungen des Ingenieurbaus. Die diesjährige Preisverleihung verdeutlicht, welche zentrale Rolle Ingenieurinnen und Ingenieure bei der Gestaltung, Erhaltung und Weiterentwicklung unserer gebauten Umwelt spielen.

Staatssekretär Dr. Olaf Joachim: „Die Preisverleihung richtet das Scheinwerferlicht auf die Ingenieurbaukunst, über die unser Land verfügt. Sie macht die ganze Bandbreite an Wissen und Erfahrung deutlich, mit der Ingenieurinnen und Ingenieure tagtäglich dafür sorgen, dass Straßen, Brücken, Schienen und Gebäude erhalten bleiben und errichtet werden. Und sie zeigt die Innovationskraft, mit der diese klugen Köpfe aktuelle Herausforderungen annehmen und in ihren Projekten umsetzen.
So bildet der Einsatz nachhaltiger Rohstoffe und der effiziente Umgang mit Ressourcen einen Schwerpunkt in vielen Bauvorhaben. Dabei spielen der Erhalt von Bausubstanz, die Verwendung innovativer Baustoffe und die Anwendung moderner Methoden wie der digitalen Planung eine wesentliche Rolle. Mit ihrem besonderen Engagement nehmen die Preisträgerinnen und Preisträger, aber auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs eine Vorbildfunktion ein.“

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen die ganze Bandbreite dessen, was Ingenieurinnen und Ingenieure leisten: Sie erhalten unsere Infrastruktur, entwickeln innovative Konstruktionen und verbinden technische Exzellenz mit Nachhaltigkeit. Das Chemnitzer Viadukt ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie wir den Bestand zukunftsfähig machen können. Gleichzeitig freut es mich besonders, mit dem Nachwuchspreis junge Ingenieurinnen und Ingenieure und ihre innovativen Ideen auszuzeichnen. Sie gestalten den Ingenieurbau von morgen.“

Chemnitzer Viadukt: Ingenieurbaukunst im Bestand

Das Chemnitzer Viadukt überzeugte die Jury insbesondere durch den konsequenten Ansatz des Bauens im Bestand. Das denkmalgeschützte Eisenbahnviadukt wurde mit gezielten Ertüchtigungsmaßnahmen und dem Ersatz einzelner Bauteile instandgesetzt und zugleich an die heutigen und künftigen Anforderungen des Bahnverkehrs angepasst.

Die Ingenieurleistung verbindet damit den Erhalt historischer Bausubstanz mit den Anforderungen moderner Infrastruktur. Statt das bestehende Bauwerk durch einen Neubau zu ersetzen, wurde seine Substanz analysiert, gezielt ertüchtigt und für die weitere Nutzung qualifiziert. Das Projekt zeigt damit beispielhaft, wie Ingenieurinnen und Ingenieure durch präzise Planung und innovative technische Lösungen dazu beitragen können, Ressourcen zu schonen und die Lebensdauer bestehender Infrastruktur zu verlängern.

Gerade angesichts des erheblichen Sanierungsbedarfs bei Brücken und anderen Ingenieurbauwerken gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Das Chemnitzer Viadukt steht damit beispielhaft für zentrale Zukunftsaufgaben des Ingenieurbaus: Bestehendes zu erhalten, technisch weiterzuentwickeln und langfristig an neue Anforderungen anzupassen.

Nachwuchspreis für Museum in Reutlingen

Der Nachwuchspreis geht an das Ingenieurbüro str.ucture GmbH für das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen. Das Projekt verbindet anspruchsvolle Tragwerksplanung mit dem Bauen in historischem Kontext und dem Einsatz des nachwachsenden Baustoffs Holz.

Ein Raumtragwerk aus heimischer Weißtanne bildet die Kubatur eines historischen Hauses nach und überspannt einen über mehrere Geschosse reichenden Luftraum über dem historischen Kellergewölbe. Gleichzeitig übernimmt das Tragwerk eine wichtige Funktion für die Sicherung des benachbarten Bestandsgebäudes und berücksichtigt auch Erdbebenlasten.

Mit dem Nachwuchspreis setzt der Deutsche Ingenieurbaupreis ein Zeichen für die nächste Generation von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Das ausgezeichnete Projekt zeigt, wie innovative Tragwerksplanung, Ressourcenschonung und der sensible Umgang in historischem Kontext zusammengeführt werden können.

Fünf weitere Projekte ausgezeichnet

Neben dem Staatspreis und dem Nachwuchspreis erhielten die fünf weiteren nominierten Projekte eine Auszeichnung. Damit würdigt die Jury die hohe Qualität der gesamten Endauswahl des Deutschen Ingenieurbaupreises 2026.

Die Jury bewertete die eingereichten Projekte insbesondere nach den Kriterien Konstruktion, Innovation, Gestaltung, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Insgesamt wurden 41 Projekte für den Deutschen Ingenieurbaupreis 2026 eingereicht.

Die Auszeichnungen verdeutlichen die große Bandbreite zeitgemäßer Ingenieurleistungen: vom Umgang mit denkmalgeschützten Bauwerken über innovative Holz- und Stahlkonstruktionen bis zur zukunftsfähigen Ertüchtigung bestehender Infrastruktur.

Preisträger und Ausgezeichnete im Überblick

Deutscher Ingenieurbaupreis 2026 – Staatspreis: 30.000 Euro

Bauwerk: Chemnitzer Viadukt, Chemnitz
Ingenieurbüro: KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH, Dresden
Bauherr: DB InfraGO AG, Leipzig

Deutscher Ingenieurbaupreis 2026 – Nachwuchspreis: 10.000 Euro

Bauwerk: Museum Historische Oberamteistraße, Reutlingen
Ingenieurbüro: str.ucture GmbH, Stuttgart
Bauherr: Stadt Reutlingen

Weitere Auszeichnungen – jeweils 4.000 Euro

Bauwerk: Bauhaus-Archiv Tower, Berlin
Ingenieurbüro: B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Berlin
Bauherr: Land Berlin

Bauwerk: Sprung über die Emscher – Silver Arrow, Castrop-Rauxel
Ingenieurbüro: Schüßler-Plan GmbH, Aachen mit DKFS Architects, London
Bauherr: Emschergenossenschaft, Essen

Bauwerk: Hyparschale, Magdeburg
Ingenieurbüro: CARBOCON GMBH, Dresden
Bauherr: Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement, Magdeburg

Bauwerk: Brücke über den Seeblickweg, Stuttgart
Ingenieurbüro: Harrer Ingenieure GmbH, Karlsruhe
Bauherr: Tiefbauamt Stadt Stuttgart

Bauwerk: Nibelungenbrücke, Worms
Ingenieurbüro: Marx Krontal Partner GmbH, Weimar
Bauherr: Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, Koblenz

Insgesamt werden beim Deutschen Ingenieurbaupreis 2026 60.000 Euro Preisgeld vergeben: 30.000 Euro für den Staatspreis, 10.000 Euro für den Nachwuchspreis sowie jeweils 4.000 Euro für die fünf weiteren Auszeichnungen.

Der Deutsche Ingenieurbaupreis wurde in gemeinsamer Trägerschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und der Bundesingenieurkammer ausgelobt. Der Preis wird im Zweijahresrhythmus verliehen. Das Wettbewerbsverfahren wurde vom Bundesamt für Bauwesen und
Raumordnung durchgeführt.

Der Jury zum Deutschen Ingenieurbaupreis 2026 gehören an:

M. Eng. Johanna Arnold, Technische Universität München

Prof. Dr.-Ing. Annette Bögle, HafenCity Universität Hamburg

Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Michaela Lambertz, Technische Hochschule Köln

Prof. Dr.-Ing. Inka Mai, Technische Universität Berlin

Dirk Scheinemann, Abteilungsleiter Baupolitik, Bauwirtschaft, Bundesbau im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)

Prof. Dr.-Ing. Helmut Schmeitzner, Vorstand Bundesingenieurkammer

Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Dipl.-Ing. Tobias Wiesenkämper, Ripkens Wiesenkämper Beratende Ingenieure PartGmbB, Essen

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.bbr.bund.de/deutscher-ingenieurbaupreis-2026

 

Gruppenfoto alle Preisträgerinnen und Preisträger
© BBR / Fotos: Thomas Köhler/photothek.de