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Aufwand im Wohnungsbau durch Gesetze und Normen begrenzen

Pressemitteilung, 08. Juni 2026

Obwohl DIN-Normen lediglich privatrechtliche Empfehlungen sind, werden sie in der Praxis häufig zum Maßstab für die allgemein anerkannten Regeln der Technik und damit faktisch zum Standard im Wohnungsbau. Wer davon abweichen möchte, um einfacher und kostengünstiger zu bauen, sieht sich oftmals erheblichen Rechtsunsicherheiten und Haftungsrisiken ausgesetzt. Der NKR empfiehlt deshalb, unterschiedliche Leistungsstufen im Bauen rechtlich und technisch klar zu definieren, einen rechtssicheren Standard einfacher Ausführung zu etablieren und baurelevante Normen stärker unter Kosten- und Praxistauglichkeitsgesichtspunkten zu entwickeln. Darüber hinaus spricht sich der NKR weiterhin für eine bundesweite Harmonisierung der Landesbauordnungen aus.

Lutz Goebel, Vorsitzender des NKR:

„Wir brauchen eine Stärkung der Vertragsfreiheit und eine Konkretisierung der DIN-Normen, um die Baukosten zu senken und den Wohnungsneubau zu mobilisieren. Seit über zehn Jahren ist klar, dass viele Wohnungen nicht gebaut werden, weil das Bauen – nicht aus technischen, sondern aus rechtlichen Gründen – immer komplizierter und teurer wird. Wer von etablierten Standards abweichen will, um einfacher und günstiger zu bauen, bewegt sich oft in einer rechtlichen Grauzone. Das schreckt Bauträger und Bauunternehmen ab.

DIN-Normen sind für das Bauwesen von sehr großem Wert. Gleichzeitig müssen wir sie als das behandeln, was sie sind: Empfehlungen. Technische Innovationen und die Weiterentwicklung von Standards dürfen nicht automatisch zu immer höheren Anforderungen führen. Wer kostengünstiger bauen möchte, darf dafür nicht mit unkalkulierbaren Haftungsrisiken bestraft werden. Wir müssen wieder ermöglichen, dass Bauherren bewusst zwischen unterschiedlichen Baustandards wählen können. Nicht jede Wohnung muss technisch maximal optimiert sein. Entscheidend ist, dass sie sicher, gesundheitlich unbedenklich und vor allem bezahlbar ist.

Das Eckpunktepapier zum Gebäudetyp E ist ein wichtiger erster Schritt. Nun gilt es, einfache Baustandards rechtlich abzusichern und technische Anforderungen nach unterschiedlichen Leistungsstufen zu differenzieren. Entscheidend ist aber, dass die DIN-Gremien jetzt tatsächlich einen einfachen Baustandard entwickeln. Es wäre ein Fehler, die heutigen Standards lediglich umzubenennen und als ,einfache Ausführung‘ zu deklarieren. Stattdessen müssen alle Anforderungen kritisch hinterfragt werden: Was ist wirklich notwendig für Sicherheit und Gesundheit – und was nicht? Im Zweifel müssen Anforderungen abgesenkt werden oder vollständig wegfallen.

Wer in Deutschland einfacher und günstiger bauen möchte, braucht heute oft mehr Mut als jemand, der den höchsten Standard wählt. Das ist ein Systemfehler. Bezahlbarer Wohnungsbau entsteht durch eindeutige Regeln, Kalkulierbarkeit und vertragliche Wahlfreiheit. Wir brauchen deshalb einen Kulturwandel im Wohnungsbau: weg vom Prinzip ,immer mehr Anforderungen‘, hin zur Frage, welcher Standard tatsächlich erforderlich ist.“

Aufwand im Wohnungsbau durch Gesetze und Normen begrenzen
Positionspapier
(PDF, 171 KB, Datei ist nicht barrierefrei)