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AIV lobt Schinkel-Wettbewerb 2027 aus: „Mythos Alexanderplatz“, Berlins Mitte neu denken
- Junge Planerinnen und Planer sind aufgerufen, eine neue Vision für einen der bedeutendsten Stadträume Berlins zu entwickeln
- Gesucht sind Ideen für mehr Gemeinwohl, Aufenthaltsqualität, Klimaresilienz und eine bessere Vernetzung der Quartiere
Berlin, 8. September 2026 – Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) hat den Schinkel-Wettbewerb 2027 ausgelobt. Unter dem Titel „Mythos Alexanderplatz“ rückt einer der bekanntesten und zugleich widersprüchlichsten Orte Berlins in den Mittelpunkt. Junge Planerinnen und Planer sind eingeladen, neue Perspektiven für den Alexanderplatz und sein Umfeld als lebendigen, vielfältigen und zukunftsfähigen Stadtraum im Herzen der Hauptstadt zu entwickeln.
Kaum ein anderer Ort steht so sehr für die Brüche und Umbrüche Berlins wie der Alexanderplatz. Weltstadtplatz der 1920er-Jahre, sozialistisches Stadtzentrum, Schauplatz der Demonstration vom 4. November 1989, Verkehrsknotenpunkt, Einkaufsstandort und Tourismusmagnet: Unterschiedliche politische Systeme und Vorstellungen von Stadt haben hier ihre Spuren hinterlassen. Bis heute treffen auf engem Raum verschiedene städtebauliche Zeitschichten, Nutzungsinteressen und Zukunftsvorstellungen aufeinander.
Genau hier setzt der AIV-Schinkel-Wettbewerb 2027 an. Gesucht wird eine positive und integrative Vision für den Alexanderplatz und sein bislang in Teilen vernachlässigtes Umfeld. Verkehr und kommerzielle Nutzungen sollen dabei um öffentliche, kulturelle und soziale Angebote ergänzt werden. Ziel ist ein lebendiges und gerechtes Quartier, das dem besonderen Nimbus des Alexanderplatzes ebenso gerecht wird wie den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen, die hier wohnen, arbeiten, umsteigen oder zu Besuch sind.
Christian Müller, AIV-Vorstandsvorsitzender: „Der Alexanderplatz ist weit mehr als ein Platz. Er ist ein Stück Berliner Identität und zugleich ein Ort, an dem sich seit über 100 Jahren immer wieder grundlegend unterschiedliche Vorstellungen von Stadt manifestieren. Heute stehen wir erneut an einem Punkt, an dem wir fragen müssen: Was soll dieser zentrale Ort künftig für Berlin leisten? Mit dem Schinkel-Wettbewerb wollen wir jungen Planerinnen und Planern den Raum geben, darauf mutige Antworten jenseits bereits festgeschriebener Lösungen und mit dem Gemeinwohl als zentralem Maßstab zu entwickeln.“
Vom Haus der Elektroindustrie bis zur Waisenbrücke
Der Planungsbereich umfasst den Alexanderplatz und seine unmittelbar angrenzenden Stadträume einschließlich der Alexanderstraße, Otto-Braun-Straße und Karl-Liebknecht-Straße. Auch die Verbindungen zu den angrenzenden Quartieren spielen eine wichtige Rolle. Für einzelne Fachsparten rücken zudem das Haus der Elektroindustrie und die Waisenbrücke in den Mittelpunkt.
Die Aufgabenstellungen verteilen sich auf sechs Fachsparten:
- Architektur: Für das Haus der Elektroindustrie und die vorgelagerte Freifläche wird ein intelligenter Nutzungsmix gesucht. Kommerzielle, öffentliche, kulturelle und soziale Angebote sowie innovative Wohn- und Arbeitsformen sollen zusammengedacht und das bauliche Erbe der Ostmoderne mit den angrenzenden Quartieren verbunden werden.
- Städtebau: Gefragt ist ein Leitbild, das den Alexanderplatz stärker mit seinem Umfeld vernetzt, Verkehrsflächen neu ordnet und kommerzielle mit gemeinwohlorientierten Nutzungen verbindet. Auch die Frage, wie der „Mythos Alexanderplatz“ im 21. Jahrhundert neu interpretiert werden kann, steht im Zentrum.
- Landschaftsarchitektur: Gesucht wird ein zukunftsgerichtetes Freiraumkonzept mit höherer Aufenthaltsqualität, mehr Grün, weniger Versiegelung, besserem Mikroklima, nachhaltigem Regenwassermanagement und mehr Biodiversität.
- Konstruktiver Ingenieurbau: Die historische Waisenbrücke soll als neue Fuß- und Radverbindung über die Spree gedacht werden. Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Urban Mining sollen dabei ebenso berücksichtigt werden wie eine hohe gestalterische und technische Qualität.
- Mobilität und Verkehrsplanung: Ausgehend von einer Reduzierung der Flächen für den motorisierten Individualverkehr um rund 50 Prozent sollen neue Konzepte für einen nachhaltigen, inklusiven Mobilitätsraum entstehen. Der dadurch gewonnene Stadtraum soll für Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und soziale Teilhabe genutzt werden.
- Freie Kunst: Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, sich mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Alexanderplatzes auseinanderzusetzen und insbesondere die Rolle des öffentlichen Raums und des Gemeinwohls zu thematisieren.
Interdisziplinäre Kooperationen sind ausdrücklich erwünscht. Neben den sechs klassischen Fachsparten können dabei auch Disziplinen wie Umwelt- und Materialwissenschaften, Soziologie, Geisteswissenschaften, Design, Innenarchitektur oder Informatik einbezogen werden.
Nicole Zahner, Mitglied des AIV-Schinkel-Ausschusses: „Der Alexanderplatz ist ein Ort enormer Potenziale, aber auch ungelöster Widersprüche. Hochverdichtete Innenstadt, Verkehrsknoten, Wohnort, Tourismusziel und öffentlicher Raum überlagern sich hier. Der Wettbewerb bietet die Chance, diese Anforderungen nicht isoliert zu betrachten, sondern miteinander zu verbinden. Uns interessieren Konzepte, die zeigen, wie aus den vorhandenen Brüchen neue Qualitäten entstehen können und wie der Alexanderplatz wieder stärker zu einem Ort für die gesamte Stadtgesellschaft werden kann.“
Nachwuchswettbewerb mit langer Tradition
Der AIV-Schinkel-Wettbewerb ist ein offener Ideen- und Förderwettbewerb für Studierende und Absolvierende. Teilnahmeberechtigt sind junge Talente aus Städtebau, Landschaftsarchitektur, Architektur, Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung und verwandten Fachrichtungen sowie Künstlerinnen und Künstler und Studierende der Freien Kunst. Zum Abgabetermin dürfen die Teilnehmenden nicht älter als 35 Jahre sein. Beiträge können von bis zu vier Verfasserinnen und Verfassern gemeinsam erarbeitet werden.
Für Preisgelder stehen voraussichtlich bis zu 30.000 Euro zur Verfügung. Pro Fachsparte kann ein Schinkelpreis in Höhe von 3.000 Euro vergeben werden; hinzu kommen zahlreiche Sonderpreise.
Die Anmeldung ist jetzt möglich und läuft bis zum 25. Januar 2027, 23.59 Uhr über wettbewerbe aktuell. Am 24. Oktober um 11 Uhr bietet der AIV eine geführte Ortsbesichtigung an; Treffpunkt ist die Weltzeituhr am Alexanderplatz. Das Rückfragenkolloquium findet am 13. November um 17 Uhr online statt.
Termine zum AIV-Schinkel-Wettbewerb 2027
Ortsbesichtigung: 24. Oktober 2026, 11 Uhr
Abgabefrist für Rückfragen: 2. November 2026
Rückfragenkolloquium: 13. November 2026, 17 Uhr
Anmeldeschluss: 25. Januar 2027, 23.59 Uhr
Abgabe der Wettbewerbsarbeiten: 8. Februar 2027, 16 Uhr
Ausstellungseröffnung und Schinkel-Fest mit Preisverleihung: 13. März 2027
Die vollständige Auslobung und weitere Informationen zum Wettbewerb stehen auf der Website des AIV sowie im Teilnehmerbereich von wettbewerbe aktuell zur Verfügung.
Weitere Informationen zum AIV-Schinkel-Wettbewerb:
Seit 1855 richtet sich der AIV-Schinkel-Wettbewerb als Förder- und Ideenwettbewerb jährlich an junge Planer*innen, um deren Kreativität für die Lösung zukunftsorientierter Planungsaufgaben zu wecken. Neben der Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses initiiert der Wettbewerb einen Dialog zwischen Stadtöffentlichkeit, Fachleuten, Verwaltung und Politik. Er zielt darauf ab, Interesse für ein Gebiet zu wecken, Sensibilität im Umgang mit dem Bestand zu entwickeln, die Bedeutung für die Umgebung aufzuzeigen und somit zur Qualifizierung der Aufgabenstellung einer formellen Planung beizutragen. In diesem Sinne ist der Wettbewerb darauf ausgerichtet, eine Beziehung der breiten Öffentlichkeit zum Planungsgebiet zu generieren und sie für die Gestaltung der öffentlichen Räume zu gewinnen. Aufgrund seiner Unabhängigkeit gelingt es dem AIV-Schinkel-Wettbewerb damit, Anregungen in laufende Planungen einzubringen. www.aiv-berlin-brandenburg.de/aiv-schinkel-wettbewerb
Weitere Informationen zum Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V. (AIV):
Der AIV ist der älteste Bauverein der Metropole Berlin-Brandenburg – und gleichzeitig einer der aktivsten. Mit viel ehrenamtlichem Engagement verfolgt er sein Ziel, die Berliner und Brandenburger Baukultur zu fördern. Seine wichtigste Aufgabe sieht der programmatisch interdisziplinäre Verein darin, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen, wichtige Fragen der Profession öffentlich zu diskutieren und Lösungen zu forcieren. Er nimmt damit aktiv Einfluss auf die Stadtentwicklungspolitik der Metropolregion und ist ein konstruktiv-kritischer Begleiter der Bau- und Kulturgeschichte Berlins und Brandenburgs. Der AIV fördert die wissenschaftliche Forschung im Bauwesen und organisiert seit über 160 Jahren den wichtigsten internationalen Nachwuchswettbewerb Deutschlands: den AIV-Schinkel-Wettbewerb. www.aiv-berlin-brandenburg.de




