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Preis der
Baukammer Berlin
2017

 

für besonders gute Abschluss- arbeiten auf dem Gebiet des Bauingenieur- und Vermessungswesens an den Berliner Hochschulen und der Technischen Universität Berlin aus dem Jahr 2017.

 

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Warum will Berlin sich seines weltweit einzigartigen Bestandes an Gasleuchten entledigen?

Die Baukammer Berlin hat die gesetzliche Aufgabe, die Baukultur zu fördern. Die 43.000 noch vorhandenen Gaslaternen sind ein solches einzigartiges Kulturgut. Sind die Behauptungen der Abrissbefürworter seriös? Folgende Punkte geben erheblichen Anlass zum zweifeln:

  1. Die Kosten der Umrüstung werden von Fachleuten auf mindestens 170 Millionen Euro geschätzt. Diese Summe amortisiert nicht einmal ansatzweise die vorgesehenen Einsparungen bei Wartung und Energie. Seriöse Berechnungen gehen davon aus, dass sich ein Einspareffekt unter Berücksichtigung von Zins- und Tilgungszahlungen erst nach 80-100 Jahren einstellt.
  2. Die Gas-Straßenbeleuchtung wurde in den Jahren 2004-2008 in großem Umfang modernisiert, d.h. ein Großteil der Gasleuchten wurde komplett erneuert, weit über 10.000 Gasleuchten erhielten moderne neue Zündvorrichtungen.
  3. Gasleuchten sind etwa dreimal langlebiger als Elektroleuchten. Gasleuchten werden im Durchschnitt 50-60 Jahre alt, Maste bis zu 100 Jahre und mehr, Gusskandelaber sind nahezu unverwüstlich. Im gleichen Zeitraum fallen bei Elektroleuchten längst wieder neue Investitionen an.
  4. Der Betrieb von Gasleuchten ist ein aktiver Beitrag zum Natur- und Umweltschutz. Ihr Gaslicht zieht keine Insekten an, die Bauteile der Gasleuchten bestehen zu 99 % aus recycelfähigem Material, während Rückstände von Elektroleuchten zum Recyceln aufwändig getrennt und teuer entsorgt werden müssen („Elektroschrott“). Zudem macht die elektrische Beleuchtung in Großstädten etwa 50 % des sogenannten Lichtsmogs aus („Dark Sky Syndrom“), die Gas-Straßenbeleuchtung ist daran nicht beteiligt.
  5. Gaslicht ist blendfrei, hat den besten Farbwiedergabewert und damit die höchste Farbqualität. Dadurch entspricht es auch Sicherheitsaspekten, da alle Farben natürlich wiedergeben werden. Elektroleuchten schneiden hier deutlich schlechter ab.
  6. Der Anteil an der gesamten CO2-Immission Berlins beträgt lediglich 0,17 % Gasleuchten könnten zukünftig mit Bio-Gas betrieben werden.
  7. Die Gasleuchten werden nicht, wie gelegentlich der Öffentlichkeit mitgeteilt, durch sogenannte Gaslicht-Imitat-Leuchten mit LED-Leuchtmitteln ersetzt, weil dies durch die Senatsverwaltung längst verworfen wurde (zu teuer, zu unausgereift). Lediglich an wenigen ausgesuchten Bereichen sollen derartige Gaslicht-Illusions-Beleuchtungen installiert werden. Es ist geplant und wird bereits umgesetzt, dass Gasleuchten durch Kompaktleuchtstofflampen („Energiesparlampen“ mit Quecksilberanteil) ersetzt werden. Messungen haben ergeben, dass diese neuen Elektroleuchten deutlich weniger Licht abgeben als Gasleuchten (Vergleich 4-flammige Gas-Reihenleuchte etwa 5 Lux, 9-flammige Gas-Reihenleuchte etwa 12 Lux, Elektroleuchte „Jessica“ etwa 1,0-2,0 Lux).Gaslaternen und Gaslicht tragen zur Aufwertung von Wohngebieten bei. Nicht umsonst werben Makler, Hausbesitzer oder Bauherrn offensiv mit dem Vorhandensein der besonderen Gasbeleuchtung vor Ort.
  8. Berlins Gas-Straßenbeleuchtung gilt als weltweit einmalig und stellt ein wertvolles kulturelles Erbe dar, das in dieser Art und Vielfalt nur durch die besondere Lage Berlins bis heute überleben konnte. Schon vor mehr als 11 Jahren wurde in einem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angeregt, zu prüfen, ob ihr nicht der Status eines UNESCO-Weltkulturerbes zusteht. Solch eine ingenieur-technische und historisch gewachsene Form existierender Industriekultur opfert man nicht aus vermeintlichen Sparzwängen, sondern wirbt damit offensiv und stellt dies als Alleinstellungsmerkmal der Gaslicht-Metropole Berlin dar.

verantwortlich: Dr. Peter Traichel

Kein Ding ohne ING. - eine Initiative für den Ingenieurberuf.